Nobody für Sopran, Klarinette und Klavier (2017)
nach Texten von Emiliy Dickinson
S.Kl.Klav
(16 min)

Verlag
Boosey & Hawkes Berlin

Uraufführung
Lisa Florentine Schmalz, Boglárka Pecze, Mariana Popova, Heidelberg, 13. April 2022

Texte
Gedanken zu „Nobody“, Dezember 2017

Nobody erscheint in einer spielerischen, verträumten Leichtigkeit. Die umgebende Atmosphäre ist zärtlich-optimistisch. Ein tragisch-existentieller Unterton wird jedoch spürbar, in welchem immer wieder die Ahnung des Absurden und Entsetzlichen des Lebens aufblitzt.
Nobody schwankt zwischen zwei Polen: einerseits der direkten, kindlichen Freude beim Entdecken und Gestalten, andererseits der distanzierten, melancholischen Stimmung beim Betrachten dieser Freude. Die Gegenwart scheint seltsam entrückt. Das Spielerisch-Kindliche bekommt durch die Insistenz innerhalb einer konstruktiven, dem Spiel fremden Formbildung einen Hang zum Tragischen.
Textgrundlage sind Gedichte von Emily Dickinson, sowie stellenweise kurze Einblendungen anderer Sprachebenen in den poetischen Text, insbesondere Fragmente und Phrasen aus populistischer Rhetorik, sowie Vulgär- und Gewaltsprache.

Gefahr der Sprache für die geistige Freiheit. – Jedes Wort ist ein Vorurtheil.
(Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches II, 2. Der Wanderer und sein Schatten, 55)

Kunst bringt auch vieles Hässliche, Harte, Fragwürdigkeit des Lebens zur Erscheinung − scheint sie nicht damit vom Leben zu entleiden? … Die Tapferkeit und Freiheit des Gefühls vor einem mächtigen Feinde, vor einem erhabenen Ungemach, vor einem Problem, das Grauen erweckt – dieser siegreiche Zustand ist es, den der tragische Künstler auswählt, den er verherrlicht.
(Friedrich Nietzsche, Götzen Dämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemässen, 24)

Emily Dickinson, Poems

I stole them from a Bee −
Because − Thee −
Sweet plea −
He pardoned me!

∗∗∗

A word is dead
When it is said,
Some say.

I say it just
Begins to live
That day.

∗∗∗

Good morning − Midnight –
I’m coming Home –
Day − got tired of Me –
How could I – of Him?

Sunshine was a sweet place −
I liked to stay –
But Morn – didn’t want me – now –
So − Goodnight – Day!

I can look – can’t I –
When the East is Red?
The Hills – have a way – then –
That puts the Heart – abroad –

You – are not so fair – Midnight –
I chose – Day –
But – please take a little Girl –
He turned away!

∗∗∗

I’m Nobody! Who are you?
Are you – Nobody – Too?
Then there’s a pair of us – don’t tell
They’d banish us – you know!

How dreary – to be – Somebody!
How public – like a frog –
To tell your name – the livelong Day –
To an admiring Bog!


Nach oben scrollen